Rückblick  –  Samstag, 08.09.2001



Erfahrungen und Ideen ausgetauscht

Die Rollenverteilung der Geschlechter war ein spannendes Thema für alle


Eine anheimelnde Atmosphäre, gute Musik, anregende Vorträge, ein reich bestückter Bü­cher­tisch und ein geselliges Miteinander im mit Herbstblumen und Früchten ge­schmack­voll dekorierten Bürgerhaus boten den ansprechenden Rahmen zu einem ersten „Frühstückstreffen für Frauen“ In Nastätten.


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NASTÄTTEN. Irmgard Gerullis konnte ein volles Haus begrüßen. Sie kennt die Früh­stücks­ar­beit aus Wiesbaden, verspürte aber doch in Nastätten ein „Kribbeln im Bauch“ vor dem ers­ten Versuch. Die mit Gabriele Burdinski organisierte Großveranstaltung stützte sich auf vie­le Helferinnen und bot zeitgleich ein Kinderprogramm im Untergeschoss. Frauen müssten vielerlei Rollen „spielen“ und seien häufig „geschafft“. Treffs helfen ihnen, ihre ureigenen Probleme mit­ei­nan­der zu diskutieren.

Claudia Sommer stellte kurz das Anliegen von „Frühstückstreffen für Frauen in Deutschland e.V.“ vor. Die junge Mutter führte gekonnt durch das Programm, das musikalisch umrahmt wurde von Katrin und Verena Ackermann, die moderne Kompositionen für Cello und Klavier wirkungsvoll vortrugen. Am Flügel begleitete Regina Schneider das Gesangsduo Annika Schwehn und Stefanie Krämer.

Über Erfahrungen mit Gott in ihrem Leben berichtete Christel Krohmann aus Nassau. Die Mut­ter von zehn Kindern schilderte schwierige Situationen, in denen sie sich erfolgreich fragte: „Hat Gott dich jemals im Stich gelassen?“ „Freiheit ohne Grenzen?“ war das hoch aktuelle The­ma des Hauptreferates von Magdalena Paulus aus Kleve. Die Rechtsanwältin und Jour­na­lis­tin schilderte ihre Jugend in einem Reihenhausmilieu am Rande Kölns, ihre Gymnasialzeit mit höheren „Töchtern“, den wildbewegten Kampf der damaligen Studentenbewegung um immer neue Freiheiten. Deren eigentlichen Ursprung sah sie in der Aufklärung, die schließlich zum Sturm auf die Bastille führte, und im Freiheitsbegriff Rousseaus, den sie als „Erfinder der an­ti­au­to­ri­tä­ren Erziehung“ apostrophierte.

Die neue Zeit habe den Frauen viel Gutes gebracht. Vorurteile seien weitgehend abgebaut, „zumindest bei intelligenten Männern“. Doch koste diese gewonnene Freiheit viel. Zum einen „das verlorene Ich“ – die lebenslange Suche nach eigener Identität, weil die klare Rol­len­ver­tei­lung fehle. Zum andem komme der „Selbstverwirklichungsstress“, die permanente Furcht, etwas im Leben zu verpassen. Und schließlich: der Verlust der Geborgenheit durch „über­per­sön­li­che Autoritäten“. Dadurch werde das eigene Ich zur obersten Instanz. Infolge dieser Orientierungslosigkeit sei die Depression zur Volkskrankheit geworden.

Der subtile Humor der Referentin schlug in tiefen Ernst um, als sie empfahl, Gott als oberste Autorität anzuerkennen, um ihn zu erleben: „Ich habe meine Freiheit genommen und in Got­tes Hände gelegt.“ Seitdem führe Magdalena Paulus „ein tolles, auftragsorientiertes Leben“. Am Gleichnis vom verlorenen Sohn zeige sich, dass Christus die Freiheit des Individuums wolle und das selbstgerechte Pharisäertum des anderen Sohnes ablehne. Abschließend bekannte sie: „Ich will die Welt noch immer verändern.“

Irmgard Gerullis schloss die Veranstaltung mit einem Dank an die Mitwirkenden und Teil­neh­me­rin­nen und verwies gleichzeitig auf den „Kneipenabend“ am Montag in der „Dorfkneipe“ des Museums „Leben und Arbeiten“. Zudem kündigte sie für den 20. April 2002 ein weiteres „Früh­stücks­tref­fen für Frauen“ im Nastätter Bürgerhaus an, dann aber zum Thema „Wohin mit der Wut im Bauch?“.

(Text: Winfried Ott, Foto: Nicole Bröder / Rhein-Lahn-Zeitung vom 11.09.2001)

Verstanden


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