Rückblick  –  Samstag, 08.03.2003



Bei Planung der Zeit Schwerpunkte setzen

Beim Frauenfrühstück im Nastätter Bürgerhaus gab es zur Einstimmung Mu­sik­kul­tur pur



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NASTÄTTEN. „Meine Zeit – wem gehört sie?“ Über dieses Thema referierte Elke Werner beim Frauenfrühstück im Bürgerhaus Nastätten. 150 Frauen waren der Einladung gefolgt, Hinzu kamen 35 Betreuerinnen für die Gäste und die Kinderbetreuungsgruppe im Obergeschoss des Bürgerhauses. So konnten Mütter ihre Kinder mitbringen und trotzdem ungestört am Früh­stück teilnehmen.

Das Frühstück ist nur der Rahmen für die Vorträge. Zur Einstimmung in den Vormittag gab es Musikkultur pur. Annika Schwehn begeisterte bei ihrem Liedvortrag unter Klavierbegleitung von Cornelia Blanche mit ihrer glockenklaren Sopranstimme. Die Harfe gilt als besonders schwie­ri­ges Instrument, dem Anke Winterwerber fließende irische Klänge entlockte.

Karen Schierle, deutschstämmige Kanadierin, ging das Thema „Meine Zeit – wem gehört sie?“ aus dem eigenen Blickwinkel einer mutmaßlich Schwerkranken an. Während der Zeit der Un­ge­wiss­heit stellten sich ihr Fragen nach der Lebenszeit, wie lange lebe ich noch, wie ver­brin­ge ich diese mir verbleibende Zeit, alleine mit der Familie, oder sind Freunde ein­ge­bun­den, wer und was beeinflusst meine Gedanken dahin?

Wie von selbst stellte sich ihr dann auch die Frage der Zeit nach dem Leben, wobei sie eine neue Beziehung zu Gott herstellen konnte, ohne in eine religiöse Verklärtheit zu verfallen. Das mussten die Zuhörerinnen erst einmal verarbeiten. Annika Schwehn erfreute sodann mit einem Klaviersolo, und Anke Winterwerber ließ Harfenklänge durch den Raum schweben.

Für das Hauptreferat konnte Elke Werner aus Marburg gewonnen werden. Auch sie ist keine Wissenschaftlerin mit Anspruch auf allgemeingültige Aussagen und Feststellungen, sondern „nur“ Ehefrau eines Sprachwissenschaftlers, den sie auf seinen Reisen weltweit begleitet. So spricht sie die Sprache der Zuhörerinnen, und genau das macht sie so verständlich in ihren Ausführungen: „Für wen will ich Zeit haben, für was, für Freunde, Beruf, Haushalt, Ehe, den Partner? Was mache ich in meiner Freizeit, wer teilt mir meine Zeit ein, wer und was be­ein­flusst mich? Es müssen Prioritäten gesetzt werden, weil sonst die 24 Stunden des Tages nicht ausreichen, auch die an mich gestellten Erwartungen an Zeitaufwendungen für andere zu erfüllen.“

Jeder Mensch sei mit einem Bewusstsein für Zeit und Ewigkeit geboren, war ihre These. Die Lebenszeit als Gegensatz zur Ewigkeit könne in ihrer Einteilung beeinflusst werden. Die Ein­tei­lung gestalte sich aber individuell völlig verschieden, manchmal auch ohne Zutun des Be­trof­fe­nen, etwa bei Unfällen oder plötzlicher Krankheit. Dann müsse sich der Mensch in dieser neuen Situation neue Gedanken über seine Zeiteinteilung machen, um die Einflussmöglichkeit wieder zu erlangen.

Elke Werner sprach bedachtsam, glaubwürdig, auch aus ihrem eigenen Leben und somit ver­ständ­lich und ohne Belehrungen. Die Zuhörerinnen fühlten sich in vielen Punkten des Re­fe­ra­tes sichtlich betroffen, erkannten sich selbst wieder.

Referentin und Zuhörerinnen lagen auf einer Wellenlänge. Aber nicht nach dem Motto „Frauen unter sich verstehen sich“, sondern weil sie in ihren Erfahrungen gleichgestellt sind.

Um die Thematik zu vertiefen, gab es am Ende des Frauenfrühstückstreffens auch Buch­emp­feh­lun­gen.

Irmgard Gerullis als Verantwortliche für die Treffen in Nastätten nutzte die Gelegenheit, auf die kommende Veranstaltung am 13. September 2003 hinzuweisen. Dann geht es um „Strei­ten, wichtig aber richtig“. Weil dieses Thema von derart grundsätzlicher und allgemeiner Be­deu­tung sei, schloss sie nicht aus, dass der Kreis möglicherweise auch für Männer geöffnet werde.

(Text und Foto: Norbert Schmiedel / Rhein-Lahn-Zeitung vom 10.03.2003)

Verstanden


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