Rückblick  –  Samstag, 13.09.2003



Bild "fff:bild-archiv-2003-2-02.jpg"

In sehr vielen Ehen herrscht nur Hass

Frauenfrühstück: Konstruktives Streiten lernen



NASTÄTTEN. Das bewährte Organisationsteam darf zufrieden sein: Auch das jüngste „Frühstücks-Treffen für Frauen“ am Samstag im Nastätter Bürgerhaus war eine gelungene Groß­ver­an­stal­tung auf hohem Niveau.

Ein aufmerksames Publikum im voll besetzten Saal genoss an­spruchs­vol­le Referate, während mehr als zwei Dutzend mit­ge­brach­te Kinder ein Stockwerk höher fachkundig betreut wur­den.

Schon beim Betreten des Bürgerhauses fiel die geschmackvolle Dekoration der Bühne und des Saales im Erntedank-Look an­ge­nehm auf. Irmgard Gerullis freute sich über ein volles Haus, stellte das „Frühstücks-Tref­fen für Frauen in Deutschland“ als christlich geprägtes, aber überkonfessionelles und ge­mein­nüt­zi­ges Forum vor für Gespräche über Lebens- und Glaubensfragen und lud zu einem liebevoll vor­be­rei­te­ten gemeinsamen Frühstück ein.

Dann erfreute das „Collegium musicum“ mit Dekanatskantor Markus Ziegler am Flügel mit meh­re­ren Sätzen aus einer Komposition des spätbarocken italienischen Kirchenmusikers und Hof­ka­pell­meis­ters Alessandro Scarlatti.

Mit einem ungewöhnlichen Erlebnisbericht stellte sich Christa Seitz vor. Die zurzeit in Wies­ba­den lebende Diplom-Religionspädagogin malt, fotografiert, möchte aber nicht mehr mit Kin­dern arbeiten. Sie betrachtet ihre Freizeit als Geschenk und Chance, findet Umzüge „ganz fas­zi­nie­rend“ und ermunterte alle, in der Lebensmitte den Mut zu haben sowohl zum Rückblick als auch zum optimistischen Blick nach vorn. Ihre Erfahrung: „Beten hilft“.

Ursula Koszudowski aus Kelkheim war vielen Teilnehmerinnen bereits bekannt durch ihr Re­fe­rat zum Thema „Wut“. Diesmal ging es um „Streiten - wichtig, aber richtig!“ Die erfahrene Dip­lom-Sozialarbeiterin und Familienberaterin wies anhand zahlreicher Redewendungen nach, dass der Begriff „Streit“ bis heute von Bildern des Mittelalters geprägt ist. Doch wer sich in eine Rüstung zwängt, aufs hohe Ross setzt, seinen Feind ins Visier nimmt und auf Biegen und Brechen für sein vermeintliches Recht „eine Lanze bricht“, der hat ein arg eingeengtes Blick­feld und kaum eine Chance zu friedlicher Konfliktlösung. Ein Schreckensszenario: Die Deut­schen sind Rekordhalter im Prozessieren, in vielen Ehen herrscht nur noch Hass, Mobbing vergiftet das Arbeitsklima.

Doch dann eine nicht minder schlimme Vorstellung: Harmonie um jeden Preis, man frisst jedes Unrecht in sich hinein, wird krank und völlig „untergebuttert“. Die Referentin nannte zehn Grün­de für Streit, dann überließ sie ihre Zuhörerinnen einer Pause und gemeinsamer Be­sin­nung.

Im zweiten Teil folgten wichtige Hinweise: die eigenen Motive und Prägungen erkennen, sich in Selbstwertschätzung üben und dann den Mitmenschen entdecken, ihm aufmerksam zu­hö­ren, in der Auseinandersetzung Ich-Botschaften verwenden statt des vorwurfsvollen „Du“ oder „Man“. Konstruktives Streiten sei das Ergebnis harter Arbeit, die bei sich selbst be­gin­nen muss. Dann sei es möglich, „Auseinandersetzungen versöhnungsbereit zu wagen.“

Regina Brückner stellte anschließend drei Bücher zu dem angesprochenen Themenbereich vor, ehe Irmgard Gerullis allen für den gelungenen Vormittag dankte und auf die Möglichkeit verwies, den Meinungsaustausch fortzuführen bei einem Gesprächstreff am 17. September um 20 Uhr im Nastätter Restaurant „Akropolis“ (Altes Rathaus).

(Text: Winfried Ott / Rhein-Lahn-Zeitung vom 15.09.2003)

Verstanden


Zur optimalen Gestaltung und weiteren Verbesserung unserer Website verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung unserer Seiten stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.   Datenschutzhinweise