Rückblick  –  Samstag, 08.04.2006



Im Supermarkt der Religionen

Erste Männer trauten sich – Das Frühstückstreffen für Frauen im Bürgerhaus von Nastätten öffnet sich dem „starken Geschlecht“


NASTÄTTEN. Viele Denkanstöße gab es beim Frühstückstreffen für Frauen im Bürgerhaus in Nastätten. Eine Sozialpädagogin und ein Psychologe referierten zum Thema „Im Supermarkt der Religionen“ unter anderem über die überirdische Macht, die dem Leben mehr Sinn geben soll. Eine Premiere gab es auch: Das Frühstückstreffen öffnete sich erstmals Männern.

Erstmals waren zu einem Frühstückstreffen für Frauen im Bürgerhaus Nastätten auch Männer eingeladen, und einige hatten sich tatsächlich getraut. Sie erlebten im voll besetzten, festlich geschmückten Saal bewegende Einblicke in Menschen, die auf vielerlei Wegen Gott suchten und fanden.

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In ihrer Begrüßung wünschte Irmgard Gerullis allen Anwesenden sich wohl zu fühlen. Dazu trugen schon einige Schülerinnen und Schüler der Musikpädagogin Cornelia Blanche bei, die am Flügel Proben ihres bereits bei „Jugend musiziert“ preisgekrönten Könnens gaben.

Nach dem gemeinsamen Frühstück informierte Gerullis darüber, dass es inzwischen in 220 deutschen Städten ein überkonfessionelles „Frühstückstreffen für Frauen“ gibt mit Referaten, Büchertisch und Kinderbetreuung. Dann berichtete Magdalene Kolar, Mutter von vier Söhnen, wie ein Erlebnis ihr Leben veränderte: Auf einer ziemlich wirren Suche nach dem Sinn des Lebens war sie nach Amsterdam gekommen, wo sie statt Hasch eine Pantomimengruppe fand und schließlich eine Frau mit ihr vor dem Hauptbahnhof gemeinsam betete. Seitdem habe Jesus sie nie im Stich gelassen.

Auf noch viel ungewöhnlicheren Wegen fanden Elke und Martin Kamphuis zu ihrem Glauben. Sie kam von der Esoterik, er war als junger Niederländer nach Indien gereist, hat fast acht Jahre lang als Buddhist in Tibet gelebt und viele Gespräche mit dem Dalai Lama geführt. Das Thema „Im Supermarkt der Religionen“ gestalteten beide gemeinsam mit Unterstützung einer Dia-Schau lebhaft, anschaulich und oft humorvoll, doch zugleich ungeheuer eindrucksvoll. Elke Kamphuis, die in Australien zu ihrem Glauben fand, ist Sozialpädagogin und Gestalttherapeutin; ihr Mann Michael ist nach seiner Rückkehr aus Asien sowohl Theologe als auch Psychologe geworden. Beide leben heute in Deutschland und schreiben Bücher. Das Referat befasste sich mit der Suche nach einer überirdischen Macht, die dem Menschenleben mehr Sinn gibt. Da entstehen Ersatzreligionen und vielfach wird versucht, sich aus den verschiedenen Lehren und Glaubensrichtungen etwas Passendes herauszusuchen.

Selbst in Unternehmerstrategien finde man zunehmend mehr Spirituelles und Religiöses. Martin Kamphuis sprach von einer „neuen Häppchen-Religion“, von der es doch noch ein weiter Weg sei zu einem christlichen Glaubensbild.

Es gab herzlichen Beifall für das sympathische Referenten-Ehepaar, das mehr als Denkanstöße zu vermitteln wusste. Dies hatten auch die lebhaften Gespräche in der Pause gezeigt.

(Text und Foto: Winfried Ott / Rhein-Lahn-Zeitung vom 11.04.2006)

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